Wie jeden Tag der vergangenen 7 Monate wache ich auch heute um 6.00am auf und wundere mich schon wieder, keinen Kater vom Vortag zu haben…?
Bin dennoch froh, ich möchte diesen wunderschönen warmen Herbsttag nicht versäumen und zieh mir schnell meine Sachen über, greife nach meinem grünen Oakley Rucksack der schon fix fertig gepackt am Boden steht und nur mehr darauf wartet, auf meinem Rücken zu hängen.
Und ehe ich mich versehe, fällt auch schon die Tür ins Schloss und ich husche die Stufen hinauf und strecke mein Gesicht der Sonne entgegen und danke Gott dafür hier zu sein.
Die Herbstsonne wärmt mein Gesicht und ehe ich die Abkürzung zur Bus Station gehe, die mir mein Roomie gezeigt hat, verweile ich in der Stellung noch ein paar Minuten.
Ich bin entzückt von dem lauen Wind der mir durch die Haare bläst die anschließend sanft an meinen Schultern wieder ihren Platz finden, die Blätter fangen schon an sich in allen Farben zu färben und ehe ich mich versehe, kommt auch schon mein Bus Nr. 20 Downtown. Wie immer drängen sich mir die Chinesen vor, ein komisches rücksichtsloses Volk, aber ich schmunzle nur und kann für sie keinen Zorn abgewinnen, denn der Tag ist einfach zu schön.
Ich platziere mich an einem Einzelsitz, so kann ich meinen Gedanken nachgehen und träumen. Die Polsterbezüge der Sitze im Bus schimmern in Regenbogenfarben und die Sonne lässt diese Farben deutlich heller strahlen als sonst. Ich schließe die Augen und vernehme hier und da Geschichten von Personen die sich unterhalten. Sie reden über Büchergeschmack und welche Ausbildung sie haben. Die zwei gays die sich in den Bus gesellten, machen einen sehr femininen Eindruck, der sich auch an Ihren Stimmen bemerkbar macht.
Und ehe ich weiter träumen kann, muss ich zusehen, dass ich aus dem Bus komme, bin bereits am Broadway angekommen und fahre von hier mit dem Skytrain weiter.
Angekommen auf dem Bahnsteig der mich Downtown bringt fährt er auch schon ein, ich betrete Ihn und ein Homeless der eine unangenehme Stimmung verbreitet redet auf eine Frau lauthals ein. Auch das kann ich nur belächeln, weil er einen eher ärmlichen als gefährlichen Eindruck macht.
The next station is Main Street Sience World – erklingt die Stimme aus dem Lautsprecher und im nächsten Augenblick öffnen und schließen sich die Türen vom Skytrain, bevor er sich erneut in Richtung Stadt bewegt.
An der Stadium Station vorbei fährt er ein in die Granville Station und beinah wäre ich vor lauter träumen wieder bis Waterfront, zur Endstation gefahren.
Heute gehe ich zu Fuß nach Englisch Bay an den Strand. Das Wetter ist zu schön um mit dem Bus zu fahren und so gehe ich. Menschen hasten an mir vorbei, dennoch sehe und spüre ich die vertraute Freundlichkeit der Kanadier.
Am kleinen Sushi und meinen Lieblings Eisverkäufer vorbei, bin ich nach 2 mal Straße überqueren am Strand angekommen. Heute sind außergewöhnlich viele Leute hier.
Einige essen Sushi, die anderen sind mit dem Hund spazieren, ein Pärchen liebkost sich auf einer Decke und das Mädchen schmiegt sich anschließend an ihrem Freund und sie scheinen glücklich zu sein.
Genau wie ich es heute bin und auch die letzten Monate war. Ich suche mir das für mich schönste Plätzchen aus und greife nach der Plastikflasche die ich mitgenommen habe um dort Sand hinein zu füllen, den ich als Erinnerung mitnehmen möchte.
Es ist gerade Flut und ich höre die Wellen an die Küste schlagen, manchmal bilde ich mir sogar ein, das Salz des Meeres an meinen Lippen zu spüren. Meine Hände fülle ich mit Sand und schau welchen Weg er sich zwischen meinen Fingern sucht bevor er schließlich wieder auf dem Boden fällt. Die Flasche hab ich mit Sand gefüllt und meine Hände vergrab ich, im von der Sonne aufgewärmten Sand und frage mich wohl ob es einen besseren Platz gibt wo ich mich jetzt hinwünschen möchte…….
…..als ich meine Augen wieder öffne, schlägt mein Herz wild um sich und ich sehe mich mit etwas ernster und konzentrierter Miene in den Bildschirm gegenüber meines Arbeitskollegen starren.
Zahlen, Tabellen, Preise und Termine sehe ich da, meine Hände hören abrupt zu tippen auf und ich erschrecke bei der Tatsache das alles ein Traum war und ich wieder Daheim in meinem Büro bin.
Als ich mich wieder gefangen hab und sich mein Puls beruhigt hat, sehe ich, dass meine Hände noch immer zittern. Wahrhaftig ich bin wieder in der Arbeit.
Nach nun mehr als 1 Monat zu Hause hab ich die Kraft meinen Abschlussbericht zu schreiben. Es fällt mir oft sichtlich schwer das Hier und Jetzt zu akzeptieren.
Zu bejahen, dass ich am Morgen aufwache und keinen englischen TV schaue, dass ich nicht aus meinem Zimmer gehe wo nebenan mein Roomie Serchio schläft der immer um Mitternacht zu kochen begonnen hat fällt mir schwer.
Das am Boden nicht ab und zu meine Mexis Cesar, Roy oder Luis Mario schlafen, weil sie aufgrund zu vielen Pitcher die sie getrunken haben im Cambie, den Nachtbus versäumt haben und deswegen bei mir geblieben sind, tut weh.
Ich werde wohl nie wieder in meinem disgusting bathroom gehen um mich zu waschen, in kann nie wieder in meinen Kühlschrank wo oberhalb die Mikrowelle steht hineingreifen.
Werde wohl nie erfahren was jetzt darin seinen Platz gefunden hat.
Sind die Alkoholfreien Biere die der Dominik und ich gekauft haben noch drinnen? Hängt am Haustürschlüssel noch immer mein Schlüsselanhänger den ich dran gemacht hab?
All diese unwichtigen Dinge, die für mich wohl die Welt bedeuten werde ich nie wieder erfahren…….
Kann mir kaum Bilder ansehen ohne tränenbefüllte Augen zu bekommen, in meinem kleinen blauen Karton, der oberhalb von meinem Fernseher steht, wo ich unwichtigen Kram gesammelt hab von Kanada, kann ich nicht hinein schauen weil mich die Angst einfängt.
Ich bekomme Gänsehaut und mein Herzschlag wird schnell wenn ich an die Distanz denke die mich von Vancouver und auch meinen Freunden trennen.
Dennoch; meine ausdrückliche Dankbarkeit trage ich in meinem Herzen dort gewesen zu sein dürfen. Ich bete Vancouver und Kanada in meinen Träumen besuchen zu können und manches Mal gelingt es mir auch, bin dann selig wenn ich aufwache und trage ein Lächeln in meinem Gesicht.
Danke auch meiner Familie meinen Freunden vor allem aber meiner Schwester die mich in jeder Lebenslage und im Gedanken immer unterstützt hat und für mich gegenwärtig da war.
Aber die wohl größte Dankbarkeit und Liebe muss ich Dem ausdrücken, der mir bis vor 7 Monaten eigentlich noch fremd war. Der sich 14 Tage vor meiner Abreise in mein Leben geschlichen hat und mein Herz auf eine ganz besondere Art und Weise berührt hat.
Der mir gezeigt hat keine Angst vor dem freien Fall zu haben und der mir gelernt hat zu fliegen. Und fragt mich heute jemand kann eine Liebe über eine Distanz von über 16.000 km bestehen, so kann ich mit gutem Gewissen sagen:„Man kann es nicht nur überstehen, man kann sich auf eine Art und Weise, wie ich es erlebt hab, lieben lernen und auf einer anderen Ebene begegnen“
It´s sometimes unpredictable but in the end it´s right, I had the best time of my life
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2 Kommentare:
Glaube mir Manu,
eine Frau wie du hat IMMER die beste Zeit ihres Lebens,
denn das, was deine Zeit gut macht, ist in dir.
Dieses Glück, diese Ausstrahlung, diese Aura, ja, dieses Charisma sind nur sehr wenigen Menschen gegeben.
Dein Lächeln, deine Art zu erzählen, dein Charme,
das ist es, was jeden Tag deines Lebens und alle Tage der Menschen in deinem Umfeld zu DEM Tag des Lebens werden lässt!
Alle(s) Liebe
Hallo Manu,
ich weis nicht ob du das je lesen wirst - ich sitzte gerade in Dubai am Flughafen und warte auf meine Anschluß (in meine Ferien). Jetzt wo ich 3 Monate in Neuseeland verbracht habe (und Gottseidank noch mindestens 6 weitere verbringen darf) weis ich genau, was du mit deinem Eintrag meinst!!! Ich liebe mein Zuhause aber die Menschen, die ich in Neuseeland kennenlerne bedeuten mir "die Welt" und das habe ich auch jetzt Freunde in der ganzen Welt...
lg
René
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